Lateinamerika: Eine Region mit Zukunftspotenzial
Von Mexiko bis Chile: Gerardo Montenegro Aznar ist bei HELU als Regional Director für ganz Lateinamerika zuständig. Was die Arbeit in dieser vielfältigen Region für ihn so spannend macht, welche Chancen und Potenziale er dort für das Unternehmen in Zukunft sieht, und warum es ihn von Mexiko über Hemmingen ausgerechnet in die Schweiz gezogen hat – all das verrät er uns im Interview.
Sie sind schon seit mehr als zehn Jahren für HELU tätig. Wie sind Sie damals zum Unternehmen gekommen, und wie sah Ihr beruflicher Weg bis heute aus?
Mein Weg zu HELU war eher zufällig – und genau deshalb so spannend. Ich habe in Deutschland studiert und auch bereits in Stuttgart gelebt. Vor meiner Zeit bei HELU habe ich dort für einen deutschen Generalunternehmer gearbeitet, bei dem ich für Energieprojekte in Chile verantwortlich war. Ironischerweise haben wir für diese Projekte Solarkabel von einem Wettbewerber bezogen. Eines Tages erzählte mir eine gute Bekannte, die bei einer Personalvermittlungsfirma gearbeitet hat, von einer offenen Position bei HELU für Lateinamerika. Ich habe mich noch am selben Tag beworben – und der Rest ist Geschichte.
Meine Karriere bei HELU war von Anfang an stark vertriebsorientiert. Über die Jahre war ich mit unterschiedlichen Aufgaben im Unternehmen betraut, bis ich schließlich die regionale Gesamtverantwortung für Lateinamerika übernommen habe. Dabei treiben mich vor allem der strategische Ausbau unserer Präsenz sowie die Nähe zu unseren Kunden und Teams an.
Sie sind gebürtiger Mexikaner, arbeiten für ein deutsches Unternehmen, und Ihr Lebensmittelpunkt ist die Schweiz – wie kommt das?
Kurz gesagt: durch die Liebe – und durch viele Träume. Als ich bereits bei HELU beschäftigt war, habe ich meine Frau kennengelernt – sie ist Schweizerin. Irgendwann wuchs die Entscheidung, gemeinsam mit ihr in der Schweiz leben zu wollen. Das Unternehmen hat mich dabei hervorragend unterstützt und mir angeboten, meine Arbeit von dort aus weiterzuführen – dafür war und bin ich sehr dankbar. Die internationale Ausrichtung war für mich schon immer selbstverständlich. Die Schweiz bietet mir heute einen idealen Lebensmittelpunkt: international, stabil und gleichzeitig sehr nah am Hauptsitz von HELU mit unseren globalen Strukturen.
Gibt es eine Gewohnheit oder Tradition aus Mexiko, die Sie auch in der Schweiz beibehalten haben?
Ja, definitiv: zum Beispiel Día de Muertos, der Tag der Toten. Das ist einer der wichtigsten Feiertage in Mexiko, an dem wir den Freunden und Familienmitgliedern gedenken, die nicht mehr bei uns sind. Dafür bauen wir bei uns zuhause einen farbenfrohen Altar mit Bildern der Verstorbenen und Dingen, die sie besonders gerne hatten, auf. Gemeinsam erinnern wir uns an die vielen schönen und fröhlichen Momente, die wir mit ihnen verbracht haben. Für mich ist das eine sehr wichtige und wertvolle Tradition, die ich auch an meine Kinder weitergeben möchte. Sie erinnert mich jedes Jahr daran, wo meine Wurzeln liegen – auch wenn mein Alltag heute international geprägt ist.
Als Regional Director LATAM sind Sie für die Tochtergesellschaften von HELU in Lateinamerika zuständig. Welche Länder beinhaltet das genau, und was sind dabei Ihre Aufgaben?
Ich bin für mehrere Gesellschaften in Lateinamerika verantwortlich, unter anderem Mexiko, Brasilien, Peru und Kolumbien, sowie für unsere Mitarbeiter und Partner in anderen wichtigen Märkten. Meine Aufgabe ist es, die Region ganzheitlich zu führen – von der strategischen Ausrichtung über Wachstum und Profitabilität bis hin zur kontinuierlichen Prozessoptimierung. Dazu gehört auch die enge Zusammenarbeit mit den lokalen Führungskräften sowie die Weiterentwicklung unserer Organisationen.
Ein besonders wichtiger Aspekt meiner Rolle ist es, als Brücke zwischen der Zentrale und den lokalen Teams zu fungieren: globale Strategien in konkrete regionale Maßnahmen zu übersetzen, gleichzeitig aber genügend Flexibilität für länderspezifische Marktanforderungen zu schaffen. Da gilt es oftmals, verschiedene Interessen möglichst sinnvoll in Einklang zu bringen.
Welche wirtschaftlichen und kulturellen Besonderheiten bringen die Märkte und Kunden in Lateinamerika mit sich – und wie sehr unterscheiden sich außerdem die einzelnen Länder voneinander?
Lateinamerika ist eine sehr diverse Region – wirtschaftlich, kulturell und industriell. Jedes Land hat seine eigenen Rahmenbedingungen, Entscheidungsprozesse und Geschäftskulturen. Das macht meine Arbeit ungeheuer spannend und manchmal auch herausfordernd. Was jedoch fast überall gilt: Persönliche Beziehungen und langfristige Partnerschaften sind entscheidend. Geschäftsbeziehungen basieren stark auf Vertrauen und Verlässlichkeit. Meine Aufgabe ist es, diese kulturellen Besonderheiten zu verstehen und sie mit den globalen Prozessen, Qualitätsstandards und Governance-Strukturen von HELU in Einklang zu bringen. Genau diese Balance aus globaler Konsistenz und lokaler Flexibilität ist ein zentraler Erfolgsfaktor in unserer Region.
Im internationalen Handel ist in den vergangenen Jahren immer mehr Unruhe zu spüren – nicht zuletzt durch die Zollpolitik der USA. Belastet das auch die Geschäfte mit Lateinamerika?
Die geopolitischen und wirtschaftlichen Spannungen der letzten Jahre haben natürlich auch Auswirkungen auf Lateinamerika. Vor allem Länder wie Mexiko und Brasilien, die eine hohe Bedeutung für den internationalen Maschinenbau oder die Automobilindustrie haben, sind von diesen Unsicherheiten betroffen. Gleichzeitig beobachten wir, dass genau diese Veränderungen neue Chancen eröffnen. Themen wie regionale Wertschöpfung und resilientere Lieferketten gewinnen stark an Bedeutung. Für HELU bedeutet das: Wir sind gefordert, unsere Supply Chains, operativen Prozesse und Investitionen noch gezielter regional auszurichten und gleichzeitig eng mit der Zentrale abgestimmt zu bleiben. Denn gerade in einem volatilen Umfeld schätzen Kunden Stabilität, technische Kompetenz, Planungssicherheit und einen starken globalen Partner.
Welche Branchen sind für HELU in Lateinamerika besonders bedeutsam, und welches Potenzial sehen Sie hier für die Zukunft?
Mexiko und Brasilien sind aktuell die wirtschaftlichen Schwergewichte der Region. In Brasilien arbeiten wir intensiv mit zahlreichen Maschinenbauunternehmen, die weltweit exportieren und höchste Anforderungen an Qualität und technische Lösungen stellen, zusammen. Mexiko ist derzeit der dynamischste Markt – stark geprägt durch das Thema Nearshoring, also die Verlagerung von geschäftlichen Aktivitäten ins naheliegende Ausland. Hier sehen wir große Investitionen sowohl in der Automobilindustrie als auch in anderen Branchen wie Pharma, Elektronik, Zement, Lebensmittel, Bergbau, Öl und Gas oder Infrastruktur. Für die Zukunft sehe ich jedoch quer durch alle Länder großes Potenzial, insbesondere dort, wo Kunden zunehmend komplexe, systemische Lösungen statt einzelner Produkte nachfragen.
Warum steigt die Nachfrage nach solchen Systemlösungen in Lateinamerika, und welchen Mehrwert kann HELU seinen Kunden hier bieten?
Unsere Kunden in Lateinamerika stehen unter wachsendem Zeit- und Kostendruck. Entsprechend steigt die Nachfrage nach vorkonfektionierten, einbaufertigen Lösungen, die Prozesse vereinfachen, Montagezeiten reduzieren und die Betriebssicherheit erhöhen. Hier sind wir bei HELU sehr gut positioniert, weil wir technisches Know-how, Produktvielfalt und operative Exzellenz miteinander verbinden können – und das in einer Kombination aus globaler Stärke und lokaler Nähe. Das schätzen unsere Kunden sehr.
Welches Projekt, welche erfolgreiche Lösung oder welches Kundenfeedback hat Sie in letzter Zeit besonders begeistert?
Da gibt es einige – aber eines sticht besonders heraus: Gemeinsam mit unserem Partner VITEL in Chile haben wir intensiv an einem Projekt gearbeitet, bei dem es um die Automatisierung zentraler Prozesse im Lager ging. Dabei standen wir auch im direkten Wettbewerb mit mehreren anderen Anbietern. Den Unterschied hat aus meiner Sicht die enge Zusammenarbeit innerhalb der HELU Group ausgemacht: Gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen von KABELMAT konnten wir eine Lösung entwickeln, die genau auf die Bedürfnisse unseres Partners zugeschnitten ist. So haben wir den Auftrag gewonnen – für mich ein tolles Beispiel dafür, wie viel möglich ist, wenn Vertrauen, Teamwork und Technologie zusammenkommen.
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